Totalverweigerung

Im Westen nichts Neues

Ja, so lautet der Titel eines Buches von Erich Maria Remarque. Ich weiß, dass der Satz dort anders verwendet wird, aber zu meiner Situation passt er auch, denn: Es gibt nichts wirklich Neues. Ich habe immernoch nichts Weiteres von der Bundeswehr gehört.
Laut Artikel 16 des Wehrstrafgesetzes dürfte ich nun seit guten 24 Stunden als fahnenflüchtig gelten. Normalerweise sollten jetzt die Feldjäger nach mir suchen, doch von denen hab ich bisher noch nichts gehört. Tja, so ist das wohl mit den Tugenden bei der Bundeswehr...von Pünktlichkeit scheint man dort nicht viel zu halten.

P.S.: Das Buch ist wirklich empfehlenswert ;)

Stunde Null

Tja, jetzt ist es bald 16:00 Uhr und dann sind es volle 72 Stunden, die ich eigenmächtig "meiner Truppe" ferngeblieben bin. Theoretisch sollte es ab diesem Zeitpunkt möglich sein, dass hier Feldjäger auftauchen und mich abführen. Sie werden mich dann vermutlich zur Kaserne in Bad Frankenhausen bringen.

Hier die Adresse der Kaserne:

Rekrutenkompanie 5
Seehäusterstraße 60
06567 Bad Frankenhausen

Telefon: 034671 530

Webseite: http://www.bad-frankenhausen.de/de/bf-port/kaserne.shtml

Falls ich dann wirklich abgeholt werde und dorthin gebracht werde, wird man es hier recht schnell erfahren.
Sollte ich dann dort arrestiert werden kann jeder gerne dort anrufen oder einen Brief dorthin schicken, ich (und sicher auch meine Vorgesetzten) freue mich über jeden Einzelnen von euch :)
Fragt einfach nach Alexander Hense.

T minus 24 Stunden

Es ist jetzt etwa 48 Stunden nach dem Zeitpunkt, der für meine Einberufung festgelegt war. Bis 16:00 Uhr in der Kaserne bei Bad Frankenhausen am 2. Juli 2007 hieß es. Eigenmächtige Abwesenheit zählt Wehrstrafgesetz nach 72 Stunden der Abwesenheit. Ich hab also vermutlich noch etwa 24 Stunden, bis die Feldjäger losgeschickt werden oder auch schon direkt vor der Tür stehen.
Seit gestern hat sich übrigens niemand mehr von der Bundeswehr bei mir gemeldet. Ich hab lediglich einen Brief im Briefkasten gefunden, der nähere Informationen zur Einberufung enthielt. Darin stand, wie toll meine Vorgesetzten es finden, dass wir bald zusammen eine Ausbildung machen können. Wie toll es doch sei, bei der Bundeswehr jede menge tolle Sachen zu lernen usw. usf. Irgendwann stell ich den Brief vielleicht mal online, damit sich jeder mal ein Bild davon machen kann, wie absurd sowas aussieht und sich liest.

Biographisches Element: Meine Totalverweigerung

Heute möchte ich ein paar Worte über meinen "Werdegang" bei der Bundeswehr los werden. Ich werde euch zuerst eine
kurze Vorgeschichte zu mir und meiner Einstellung liefern. Anschließend könnt ihr dann ein Dokument lesen, das über meine Einstellung gegenüber der Wehrpflicht aufklärt.
Angefangen hat das alles irgendwann vor etwa einem Jahr. Ich erhielt einen Brief, der mich zur Musterung im Kreiswehrersatzamt Karlsruhe berief (ich hatte schon fast ein Jahr vorher einen Erfassungsbescheid bekommen). Damals hatte ich schon einen riesigen Hass auf diese ganze Sache, doch ich hatte mir irgendwann überlegt, dass ich es einfach durchziehen werde und diese neun Monate beim Bund absitzen werde. Ich ging also zur Musterung und wurde - wie zu erwarten war - tauglich gemustert (T2). Mein größter Fehler war wohl, dass ich nicht damals schon so gedacht habe, wie heute.
Denn kurze Zeit später kamen mir dann Gedanken. Und ich las verschiedene Dinge über die Wehrpflicht, Wehrgerechtigkeit und (Total)verweigerung. Ich sah Zahlen und mir wurde immer klarer, wie falsch und ungerecht die Wehrpflicht ist. Ich entschied mich schließlich zur Totalverweigerung.
Da ich bisher nichts mehr vom Bund gehört hatte, schrieb ich in den Osterferien dieses Jahres eine E-Mail an einen Sachbearbeiter im Kreiswehrersatzamt Karlsruhe. Ich fragte nach, ob ich denn überhaupt eingezogen werden würde - denn es sei ja bekannt, dass nur ein Bruchteil jeden Jahrgangs geholt würde. Ich hatte in dieser E-Mail auch einen etwas sarkastichen Unterton. Nun, so kam es dann auch, dass ich drei Tage später meinen Einberufungsbescheid im Briefkasten fand. Ich sollte nach 06567 Bad Frankenhausen. Tja, der Sachbearbeiter war wohl ein lustiger Mensch. Bad Frankenhausen liegt in Thüringen und damit etwa 330 Kilometer Luftlinie von meinem Wohnort Nähe Pforzheim, Baden-Württemberg entfernt. Schon komisch, wo doch die Kaserne in Karlsruhe direkt um die Ecke liegt und ich sicher einer der ersten mit Einberufungsbescheid war...
Mein Einberufungstermin war auf den 2. Juli 2007 gelegt - das war gestern. Eben hat eine nette Frau von der Bundeswehr angerufen und mich gefragt, wieso ich nicht aufgetaucht sei. Ich hab ihr die Sachlage der Totalverweigerung einigermaßen erklärt und sie meinte dann, dass wir uns wohl noch hören werden. Deswegen schreibe ich jetzt diesen Bericht hier. Sollte ich in den nächsten Stunden von den Feldjägern abtransportiert werden, dann wird ein guter Freund von mir diese Seite hier für eine Weile lang übernehmen und versuchen so gut, wie möglich über meine aktuelle Lage zu berichten.
Sollte irgendjemand irgendwelche Informationen brauchen, dann wendet euch bitte an ihn. Sein Nickname ist Shadows Friend, ob er euch seinen richtigen Namen sagt ist seine Entscheidung.

Hier noch ein paar wichtige Seiten zum Thema Wehrgerechtigkeit, Wehrpflicht und Totalverweigerung:
http://www.kampagne.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Totalverweigerung
http://de.wikipedia.org/wiki/Wehrgerechtigkeit
Ihr könnt auch mal bei google (vor allem google news) nach Jonas Grote suchen, er macht wohl gerade sowas ähnliches wie ich durch und saß schon zwei mal im Arrest, sein Einberufungstermin war der 1. April.

Wenn ihr auf Weiterlesen klickt, kommt ihr zu einer Schrift, die ich verfasst hab. Ich versuche darin meine Einstellung zur Wehrpflicht zu erläutern und klar zu machen, wieso diese so sinnlos ist. Man kann sie auch in verschiedenen Formaten herunterladen.

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