Totalverweigerung – ein Erlebnisbericht

Heute nehme ich mir nun endlich die Zeit und schreibe einen Bericht über meine Totalverweigerung. Ich werde dabei ganz vorne anfangen, also etwa zu dem Zeitpunkt, zu dem ich das erste mal „Kontakt“ mit der Bundeswehr hatte. Da es doch einiges an Zeit in Anspruch nimmt, werde ich den Bericht in drei Teile aufteilen. Diese drei Teile sind mittlerweile zusammengefasst und alle in diesem Artikel hier zu finden. (auf Weiterlesen klicken!).

Teil 1: Vorgeplänkel

Es muss etwa Anfang der 11. Klasse gewesen sein, als ich ein Schreiben zum Zweck meiner Erfassung erhielt. Es muss also im Spätsommer 2004 gewesen sein, als ich eine Schulbescheinigung an das Kreiswehrersatzamt (KWEA) Karlsruhe schickte, um mitzuteilen, dass ich noch mindestens bis Mitte 2007 zur Schule gehen würde. Einige Zeit später erhielt ich die Ladung zur Tauglichkeitsmuste-rung, zu der ich am 13.07.2006 im KWEA erscheinen sollte. Schon damals habe ich die Wehrpflicht nicht besonders toll gefunden. Besonders nachdem mir bewusst geworden ist, dass ausgemusterte Menschen nicht ein mal einen Ersatzdienst leisten müssen – was ich vorher nicht gewusst hatte. Dennoch hatte ich zur Zeit meiner Musterung beschlossen, dass ich mich einfach mustern lassen würde und dann wohl zur Bundeswehr gehen und meinen Wehrdienst leisten würde. Ich dachte damals also so, wie die meisten anderen – außer denen, die wussten, dass sie sich ausmustern lassen würden. Meine Musterung verlief erwartungsgemäß und ich wurde als T2 eingestuft, verwendungsfähig mit Einschränkungen für bestimmte Tätigkeiten.

Erst einige Zeit nach der Musterung, es war wohl in den Sommerferien desselben Jahres oder kurz danach, habe ich mich eingehend mit der Wehrpflicht und all den Einschränkungen durch sie beschäftigt. Als Schüler der 13. Klasse mit dem Neigungsfach Gemeinschaftskunde (für die nicht aus Baden-Württemberg stammenden: das ist so etwas wie eine Mischung aus Politik- und Sozialwissenschaft) und Nebenfach Ethik lernte ich einerseits immer mehr über das Grundgesetz und andererseits wurde mir die Bedeutung der Menschenwürde immer bewusster. Ich las Artikel und andere Texte über die Kriegsdienstverweigerung (KDV) und kam dadurch schließlich auch zu Informationen über Totalverweigerung. Nachdem ich sehr viel gelesen und mich ausführlich informiert hatte, entschied ich mich schlussendlich selbst zur Totalverweigerung, oder auch totale Kriegsdienstverweigerung (TKDV) genannt.

Ich schickte dann am 04.03.2007 folgende E-Mail an das KWEA Karlsruhe (KWEAKarlsruhe@Bundeswehr.org):

"Guten Tag,

ich würde mich gerne über den Status meiner Einberufung informieren. Das heißt, ich würde gerne wissen, ob ich dieses Jahr einberufen werde und wenn ja, wann das wohl passieren wird. Ich bin im Moment noch Schüler der 13. Klasse eines Gymnasiums und werde in kurzer Zeit mein Abitur machen.

Ich kann nicht ewig darauf warten, von Ihnen bescheid zu bekommen, wann ich einberufen werde, da meine Lebensplanung davon stark abhängig ist. Nur zu Ihrer Information: Im Falle einer Einberufung werde ich weder den Kriegsdienst förmlich verweigern, noch zum Kriegsdienst antreten. Ich werde gegen meine Einberufung in jedem Fall klagen, da die Wehrpflicht in meinen Augen verfassungs- und menschrechtswidrig ist und eine Wehrgerechtigkeit sowieso nicht gegeben ist (ich denke die Statistiken kennen wir alle). Das Ganze ist übrigens auch unter dem Namen Totalverweigerung bekannt. Aus diesem Grund würde ich gerne wissen, in wie fern ich der Willkür der Bundeswehr ausgesetzt bin: Gehöre ich nun zu den etwa 50% der Leute, die einberufen werden oder zum Rest, der nie wieder etwas von Ihnen hört? Wenn ich einberufen werden soll, wird es den Herren dann besser im Juli oder im Oktober passen? Oder soll es gleich ganz exotisch werden?

Meine Personenkennziffer lautet 070887 H 50539 und als Bearbeiter steht bei mir ein Herr Henninger.
Ich bedanke mich jetzt schon für Ihre Auskunft.

P.S.: Sie können in meiner Akte ja gleich eine Markierung für besondere Widerspenstigkeit eintragen. Ich wette, dass ich durch mein Verhalten und mein Denken jetzt sowieso erst recht einberufen werde. Sie können ja schon mal ein paar Feldjäger für meinen Einberufungstermin bereitstellen. Im Prinzip können Sie auch sofort die Polizei schicken, denn diese Email an sich ist ja schon die Ankündigung einer Straftat (Fahnenflucht, gemeinhin auch als Desertation bekannt), was meinen Informationen nach auch schon strafbar ist.

Ihr (nicht ganz so) ergebener
Alexander Hense"

Eine Antwort auf diese E-Mail bekam ich nicht...zumindest keine direkte. Drei Tage später jedoch, also am 07.03.2007, hatte ich meine Einberufung im Briefkasten liegen. Ich sollte am 02.07.2007 (Montag) bis spätestens 16:00 Uhr in der Kyffhäuser-Kaserne in 06567 Bad Frankenhausen (Thüringen) bei der Rekrutenkompanie 5 antreten, knappe 500km von meinem Wohnort entfernt.

Ich dachte ganz genau nach und versuchte mich darüber zu informieren, wie es möglich wäre gegen diesen Einberufungsbescheid zu klagen. Doch einerseits erschien mir das Ganze damals zu kostspielig und andererseits sah ich die Einberufung auch als eine Art dreiste Herausforderung an. Ich entschied mich die Herausforderung anzunehmen!

Teil 2: Durchführung

Ich hatte mich also entschieden, die Totalverweigerung durchzuziehen. Das hieß erst einmal abwarten. Also wartete ich bis zum Zeitpunkt meines Einberufungstermins.
Da der 01.07.2007 ein Sonntag war, war meine Einberufung auf den 02.07.2007 gelegt. Nachdem ich an diesem Tag nicht zur Einberufung erschienen war, erhielt ich am 03.07.2007 einen Anruf von einer Frau aus der Kaserne. Diese fragte mich, wieso ich nicht erschienen sei und klärte mich über die Folgen auf, die eintreten würden, wenn ich weiterhin nicht antreten würde. Ich erklärte ihr, dass mir das alles bereits bewusst sei und ich auch weiterhin nicht vor hätte zur Kaserne zu fahren. Ich klärte sie über meine Haltung als totaler Kriegsdienstverweigerer auf und sagte, ich sei bereit dafür, von den Feldjägern abgeholt zu werden. Ich war bei dem Telefonat ziemlich aufgeregt, aber ich denke die Botschaft ist angekommen. Die Frau klang etwas hilflos, sie sagte mir, dass ich wohl noch von der Bundeswehr hören würde.
Einen weiteren Anruf erhielt ich jedoch nicht. Dafür klingelte es am 07.07.2007, einem Samstag, um 23:30 Uhr an der Tür. Und siehe da – zwei Feldjäger standen davor. Nachdem sie mich über die Situation aufgeklärt hatten, erklärte ich ihnen, dass ich über den üblichen Ablauf bereits informiert sei und erläuterte meine Einstellung. Die zwei Männer waren mehr oder weniger freundlich. Das kam sicher daher, dass sie selbst nicht viel mit der Sache am Hut hatten und wussten, dass sie mich bald sowieso los sein würden und die ganze Sache schneller gehen würde, wenn sie nicht unnötigerweise grob sind. Wie ich später erfuhr, sind die zwei schon um 20:00 Uhr da gewesen, haben mich aber nicht vorgefunden, da meine Familie und ich bis spät Abends auf einer Feier waren. Darauf haben sie sich auch durch die Nachbarschaft geklingelt.
Mir wurden dann ein paar Minuten Zeit zum packen gelassen, die Feldjäger blieben vor der Tür stehen. Nachdem ich fertig war ging ich raus und bin in das Fahrzeug der Feldjäger gestiegen. Ich wurde anschließend zu einem Standort der Feldjäger in Bruchsal gebracht. Dort hat man mich erst mal in eine Art Zelle (im Prinzip ein kleines Zimmer) gebracht, wo ich warten sollte, bis jemand aus meiner „Ziel-Kaserne“ kommen und mich abholen würde.

(08.07.2007, So)
Tatsächlich wurde sofort bei der Kaserne bescheid gegeben (es war mittlerweile etwa 01:00 Uhr nachts) und es machten sich zwei Soldaten auf den Weg von etwa 500km. Gegen 06:00 Uhr morgens waren die zwei Soldaten dann da. Ich wurde aus dem Zimmer geholt und direkt in den Kleinbus gebracht, mit dem die Zwei gekommen waren. Der Ranghöhere Soldat war ziemlich unfreundlich. Er machte mir die hintere Schiebetür auf und wies mich in einem ruppigen Ton an, mich hinten reinzusetzen und die ganze Fahrt über das „Maul“ zu halten. Als die Fahrt los ging meinte er, ich sei schon der Zweite, den sie diese Woche holen würden und dass mich der Kompaniechef in der Luft zerreißen würde. Als ich darauf erwiderte, dies könne er gerne tun, fuhr mich der Soldat sinngemäß an: „Sie sollen ihr Maul halten!“ Das tat ich dann auch die ganze Fahrt über. Nicht um zu gehorchen, sondern weil ich schlicht und einfach nichts zu sagen hatte.
Die zwei Soldaten hatten beide einen ziemlichen Bleifuß auf der Autobahn und so sind wir schon um 09:45 in der Kyffhäuser-Kaserne angekommen. Dort wurde ich dann in ein Zimmer gebracht, wo ein Soldat saß und auf mich aufpasste. Ich wartete dort ewig, es waren sicher ein oder zwei Stunden. Dann endlich wurde ich geholt und in das Büro des Kompaniechefs gebracht, der den Rang eines Hauptmanns hatte.
Dieser vernahm mich erst mal zu meiner „unerlaubten eigenmächtigen Abwesenheit“. Ich erklärte die ganze Sache und händigte ihm als Anlage auch den von mir geschriebenen Aufsatz über „Wehrpflicht in Deutschland im Jahre 2007“. Natürlich sagte ich auch gleich dazu, das ich keinen mir erteilten Befehl als Soldat ausführen würde. Darauf ist der Mann gleich angesprungen – er hatte wohl nicht verstanden wie ernst ich das alles meinte. Er gab mir sofort den Befehl am Ausbildungsdienst der Kompanie teilzunehmen, bis zu meiner Einstellungsuntersuchung sollte ich nur an Theorieunterricht teilnehmen. Ich machte ihm deutlich, dass ich diesen Befehl nicht ausführen würde. Er machte mich auf die Folgen aufmerksam und wiederholte den Befehl noch zweimal, worauf ich weitere zwei mal verweigerte. Der Kompaniechef sah schlagartig so aus, als wäre er erleichtert und machte mir klar, dass ich nun vorläufig festgenommen sei und rief einen Soldaten herbei, der mich zur Wache bringen sollte.
Auf der Wache angekommen wurde ich erstmal an die Wachtruppe übergeben. In einem Besprechungszimmer musste ich dann meinen Rucksack komplett auf einen Tisch ausräumen. Jeder einzelne Gegenstand wurde aufgeschrieben und ich musste alles wieder in den Rucksack einräumen. Der wurde dann in einem Spind im Arrestbereich (außerhalb der Zellen) eingeschlossen, den Schlüssel für den Spind erhielt ich. Bevor man mich aber komplett in die Zelle stecken konnte, musste ich noch von einem Arzt auf Hafttauglichkeit untersucht werden. Hier gab es dann eine Menge hin- und hergelaufe. Es fehlten verschiedene Formulare, niemand wusste richtig über die Prozedur bei einer Verhaftung bescheid. Irgendwann war der ganze bürokratische Kram dann abgeschlossen und ich wurde untersucht (Blutdruck wurde gemessen und ich wurde gefragt, ob ich Beschwerden hätte, mehr war nicht). Entweder vor oder nach der Untersuchung wurde ich von zwei Soldaten zum Mittagessen gebracht. Das nahm ich wie alle andern Soldaten in der allgemeinen Küche ein, eine ganz normale Kantine. Irgendwo zwischendrin musste ich auch ein Formular unterschreiben, dass ich mich hafttauglich fühlen würde und schlussendlich wurde ich dann auf die Wache in meine Zelle gebracht. Nach Ewigkeiten hatte ich endlich meine Ruhe (ich hatte weder bei den Feldjägern noch während der Fahrt zur Kaserne geschlafen).

(Allgemein)
Ich durfte die ersten zwei Tage nichts mit in die Zelle nehmen. Die Zelle selbst war etwa 7m² groß (wie ich später mit einem Geodreieck ausgemessen habe) und etwa 3m hoch. Die Tür war ziemlich massiv und hatte von innen nicht einmal einen Türknopf. Von außen wurde sie durch die Türklinke, ein Schloss, zwei Vorschieberiegel und eine Türkette verschlossen. Außerdem war ein Spion angebracht. Damit dürfte man die ganze Zelle gesehen haben, außer die Ecke wo die Toilette war. Innen bestand die Zelle aus einem kleinen quadratischen Tisch, einem grünen Holzstuhl mit Metallbeinen, einem Edelstahlwaschbecken und einer Edelstahltoilette (selbstverständlich ohne Deckel) und einem Bett, das theoretisch zur Wand hin hochgeklappt hätte werden können, wenn es nicht vorne und hinten am Boden festgeschraubt worden wäre. An der kürzeren Seite der Zelle gegenüber dem Tisch war eine Lampe angebracht, sie war durch eine Metallverkleidung und eine Art Fenster geschützt. Rechts unter der Lampe befand sich eine Klingel, die ich benutzen konnte, wenn ich etwas brauchte. Die Lampe selbst konnte nur von außen an- und ausgeschaltet werden. Ebenso die Lüftung an der Decke. Unter der Lampe befand sich eine durch Metallgitter geschützte Heizung. Zuletzt waren noch zwei mit Milchglas ausgestattete Fenster an der langen Seite gegenüber der Tür in etwa 1,80m Höhe angebracht. Direkt darunter war das Bett. Dieses war mit einer Matratze und einem Kissen ausgestattet, später bekam ich auch Bettzeug. Die Krönung der Zellaustattung stellte eine kleine schwarze Bibel dar, die auf dem Tisch lag. Meiner Ausgabe fehlten die ersten zwei Bücher Mose, irgendjemand hatte sie wohl herausgeschnitten.
Ich wurde immer zwischen 5:30 Uhr und 6:00 Uhr geweckt, durfte mich frisch machen (das Waschzeug durfte ich dafür aus dem Spind nehmen) und anschließend wurde ich von meist zwei Soldaten zum Frühstück begleitet. Gegen 11:30 Uhr wurde ich zum Mittagessen gebracht und um 16:30 Uhr gab es Abendbrot. Gegen 13:00 Uhr gab es fast jeden Tag einen einstündigen Freigang auf dem Kasernengelände. Dabei wurde ich von Soldaten eskortiert. An manchen Tagen hatte ich keinen Freigang, keine Ahnung wieso. Abends, meist etwa um 19:00 Uhr, durfte ich duschen. Die Wachtruppe hatte immer 24 Stunden lang Dienst, danach wurde sie von einer neuen Truppe ersetzt. Dieser Wechsel fand jeden Morgen um 10:00 Uhr statt.
Das Verhalten der Soldaten in der Kaserne war extrem unterschiedlich, sowohl bei Vorgesetzten als auch bei niederrangigen Soldaten. Teilweise stieß man auf sehr unfreundliche Menschen, teilweise wurde man aber auch verstanden, obwohl aber niemand meine Handlungsweise nachvollziehen konnte. Ich wurde Soldat, Kamerad, Jäger und manchmal auch Herr genannt. Insgesamt merkte ich besonders am Anfang, dass die Soldaten mit der Situation überfordert schienen. Entweder sie hatten keine Erfahrung mit den Vorschriften oder wussten nicht, wie sie diese anwenden sollten.

(09.07.2007, Mo)
Am nächsten Tag wurde ich irgendwann nochmal zum Kompaniechef gebracht. Diesmal vernahm er mich zum „Tatbestand“ der Gehorsamsverweigerung. Ich durfte im Geschäftszimmer, dem Vorzimmer des Hauptmanns etwa 2 Stunden lange stehen, bis er endlich Zeit hatte. Von ihm wurde mir dann mitgeteilt, dass er 7 Tage Arrest beantragen würde, anschließend wurde ich auf die Zelle zurückgebracht. Im Laufe des Tages erhielt ich dann die Nachricht, dass der Disziplinararrest bewilligt wurde. Später bekam ich dann ein Bettlaken als Badetuch, da ich vergessen hatte eins einzupacken. Am Abend wurde mir dann erlaubt etwa 15 Minuten lang mit meinem eigenen Handy zu telefonieren. Dazu wurde ich sogar in der Zelle eingeschlossen, ich sollte einfach klingeln sobald ich fertig war.

(10.07.2007, Di)
Nach dem Mittagessen hatte ich den üblichen Freigang, danach durfte ich wieder telefonieren. Während des Freigangs habe ich mich mit dem Soldaten unterhalten, der mich begleitet hat (es war nur einer). Er schien meine Motivation sogar ziemlich gut zu verstehen, nur verstand er nicht, wieso ich die Totalverweigerung gewählt hatte. Er dachte wohl, ich wollte mich einfach nur drücken und verstand deswegen nicht, wieso ich mich nicht einfach habe ausmustern lassen.
An diesem Tag wurde mir dann erlaubt Bücher und Schreibzeug mit in die Zelle zu nehmen. Als erstes habe ich eine dreiseitige Beschwerde gegen die Verhängung des Disziplinararrests an das Truppendienstgericht (TDG) verfasst. Der Offizier vom Wachdienst (OvWa) an diesem Tag war ziemlich unfreundlich und hat es gleich darauf angelegt mit mir eine Diskussion anzuzetteln. Er kam dazu extra in meine Zelle (stellte sich in die Tür) und wollte meine Begründung für das alles hören. Ich zählte ihm all die Argumente auf, er versuchte dagegen zu halten. Irgendwann merkte er dann wohl, wie ernst es mir war und konnte nicht mehr viel sagen, worauf er es dann bleiben lies und ging. Diese Begegnung war in meiner Arrestzeit einmalig.

(11.07.2007, Mi)
Im Arrestbereich stank es die ersten paar Tage bestialisch. Dieser Gestank kam – wie ich später herausgefunden hatte – aus der Ausnüchterungszelle und zog durch den etwa 3cm großen Spalt unter der Zelltür durch. Schon beim Aufwachen stieg ein kläranlagenartiger Geruch in die Nase. Das war wirklich widerlich, anders kann man das nicht beschreiben. Um 7:30 Uhr musste ich dann Waschraum, Arrestbereich und Zelle putzen. Gegen 10:45 Uhr kam der Bataillonskommandeur zu mir in die Zelle. Dieser war ziemlich freundlich, wahrscheinlich eine der freundlichsten Personen in der ganzen Kaserne. Er erkundigte sich, ob alles in Ordnung sei und kündigte an, dass mich ein 21-tägiger Arrest erwarten würde, wenn ich meine Haltung nicht änderte. Trotz seiner Freundlichkeit handelte er streng nach Vorschrift. An diesem Tag ereignete sich noch etwas ziemlich interessantes. Und zwar erhielt ich einen Anruf. Dazu haben mich die Wachleute extra aus der Zelle geholt und in den Wachraum gebracht, um mir den Telefonhörer zu geben. Angeblich wurde ich von meinem Onkel angerufen. In Wirklichkeit war es ein netter Mann, der sich mit den Gepflogenheiten der Bundeswehr und der Wachtruppen auskannte und es daher nicht sonderlich schwer hatte sich zu mir durchzutelefonieren. Wir hatten ein sehr unterhaltsames Gespräch (ich war in dem Zimmer natürlich nicht allein).

(12.07.2007, Do)
Auch an diesem Tag stank es wieder ziemlich extrem. Später hatte man dann wohl endlich etwas dagegen unternommen und irgend ein Waschmittel in den Abfluss der Ausnüchterungszelle gegossen. Ich erhielt Post und bekam auch die Ladung für eine mündliche Verhandlung meiner Beschwerde gegen den Disziplinararrest bei der 7. Kammer des TDG Süd in Erfurt. Die Verhandlung wurde für Dienstag, den 17. Juli 2007, anberaumt. Dies war bei einer Totalverweigerung etwas völlig neues, da es meinen Informationen zufolge noch nie eine Verhandlung wegen einer Beschwerde gegen den ersten Arrest gab, vor allem, da die Arrestzeit nur 7 Tage betrug. Normalerweise werden solche Beschwerden immer ohne Verhandlung zurückgewiesen. Mir war zwar klar, dass dies auch bei einer Verhandlung passieren würde, doch war es auf dem Gebiet der Totalverweigerung Neuland.

(13.07.2007, Fr)
Ab Mittag wurde es in der Kaserne ziemlich leer, da sich fast alle Soldaten auf den Heimweg machten. Beim Mittagessen erhielten die Wachsoldaten und ich Essenspakete, da es in der Kaserne am Wochenende kein Abendbrot gibt. Mein Essenspaket durfte ich mit in die Zelle nehmen.

(14.07.2007, Sa)
Samstags und Sonntags gibt es Frühstück erst um 07:00 Uhr. Natürlich wurde ich trotzdem um 06:00 Uhr geweckt. Ich hörte an diesem Tag etwa jede Stunde jemanden an die Tür herantreten und nach etwa einer halben Minute wieder weggehen. Lustig waren die Soldaten alle mal. Es kamen zwei Soldaten und brachten mir zwei Flaschen 0,5L Apfelschorle zum trinken. Ich sollte das Getränk im Spind einschließen und klingeln, wenn ich was trinken wollte. Dabei hatte ich sogar noch das Trinken auf der Zelle, das im Essenspaket enthalten war. Das Geniale war – die Soldaten schienen das wirklich todernst gemeint zu haben. Zwischen 12:30 Uhr und 13:30 Uhr bekam ich dann Besuch von meinen Eltern und meinem Freund samt Freundin. Die frische Wäsche und ein paar Zeitschriften, die ich dabei bekam wurden aufgeschrieben und ich durfte die Zeitschriften dann auch auf die Zelle nehmen.

(15.07.2007, So)
An diesem Tag bekam ich keinen Freigang. Nachdem die Vollständigkeit meiner Sachen geprüft worden war, wurde ich gegen 18:30 Uhr aus dem 7-tägigen Arrest entlassen und von zwei Soldaten der Rekrutenkompanie abgeholt. Da nach jedem Arrest eine Untersuchung durch einen Arzt durchgeführt werden muss, wurde ich zur Kaserne in Mühlhausen in 60km Entfernung gebracht. Der kaserneneigene Arzt war wohl nicht verfügbar. Als wir in der Kaserne ankamen war der dortige Arzt auch nicht da. Angeblich sei abgesprochen worden, dass die Soldaten mich gleich zu seinem Wohnsitz bringen würden, da das sowieso auf dem Weg gelegen hätte. Also fuhren wir zum Wohnsitz des Arztes. Der Arzt stellte mir lediglich ein paar Fragen („Wurden Sie gefoltert?“, etc), nach maximal 5 Minuten waren wir fertig und es ging zurück zur eigenen Kaserne. Dort angekommen wurde mir dann ein leeres 4er-Zimmer im Haus der Rekrutenkompanie zugeteilt, wo ich die Nacht verbrachte. Ich hatte auch meine ganzen Sachen wieder, durfte also telefonieren. Ich legte mich dann erst mal schlafen und ließ den nächsten Tag auf mich zukommen.

So viel zum zweiten Teil des Berichts. Der dritte und letzte Teil kommt dann Richtung Wochenende, vielleicht auch etwas später. Das kommt ganz darauf an, wieviel Zeit ich haben werde.

Teil 3: Neuland

(16.07.2007, Mo)
Von dem Vorgesetzten, der mich am Tag zuvor überall hin begleitet hatte, wurde ich morgens erstmal zum Frühstück gebracht und anschließend an andere Vorgesetzte übergeben. Ich war im Büro eines älteren Oberfeldwebels. Dieser meinte – wie selbstverständlich – ich würde mich nun zum Truppenarzt begeben und mich der Einstellungsuntersuchung unterziehen. Ich fragte ihn, was dabei geschehen würde. Er erklärte mir, das sei praktisch wie die Musterung, um festzustellen, ob ich für die Bundeswehr immer noch tauglich sei und sich an meinem Gesundheitszustand seit meiner Musterung im KWEA nichts geändert habe. Daraufhin machte ich ihm klar, dass ich diese Untersuchung keinesfalls über mich ergehen lassen würde, da ich es für menschenunwürdig hielt (und halte), dass jemand wie ein Objekt oder Werkzeug behandelt wird, wie es bei dieser Untersuchung geschehen sollte.
Der Mann war wohl schon sein ganzes Leben bei der Bundeswehr gewesen und obwohl er so alt war hatte er es zu keinem besonders hohen Rang geschafft. Mein Verhalten brachte ihn offensichtlich völlig durcheinander. Er machte auf mich den Eindruck, als dürfte in seinem Weltbild so ein Verhalten gar nicht existieren. Für ihn war das vermutlich, als würde ein Apfel nach oben statt nach unten fallen. Er sagte mir ich solle in seinem Büro warten und verschwand dann erst mal für eine Weile.
Dann endlich kam ein Oberleutnant, der mehr Plan zu haben schien. Es lief dann ab, als wäre alles abgesprochen gewesen (deswegen hat es wohl auch so lange gedauert ihn zu holen). Er gab mir in ruppigem Ton den Befehl, mich zum Truppenarzt zu begeben und mich der Einstellungsuntersuchung zu unterziehen. Ich sagte, ich würde diesen Befehl nicht ausführen. Der Mann lies mich kaum ausreden und gab mir sofort nochmal denselben Befehl. Ich fing an den Paragraphen 11 des Soldatengesetzes zu rezitieren und sagte ihm, ich müsse keine Befehle ausführen, die gegen die Menschenwürde verstößen. Wieder hat mich der Oberleutnant kaum aussprechen lassen und erwiderte wie aus der Pistole geschossen, eine Einstellungsuntersuchung verstoße nicht gegen die Menschenwürde und teilte mir noch im selben Atemzug mit, dass ich wegen wiederholter Gehorsamsverweigerung vorläufig festgenommen sei.
Es lief das bekannte Szenario ab. Ich wurde auf die Wache gebracht, mir wurden alle Sachen abgenommen und alles aufgeschrieben – diesmal aufs Extremste penibel. Anstatt nur die Anzahl der Stifte in meinem Mäppchen aufzuschreiben, wurde jetzt jeder einzelne Stift mit Farbe und Form aufgeschrieben. Auch andere Gegenstände wurden aufs Genaueste niedergeschrieben. Ganz ehrlich, ich musste mir da schon ein bisschen das Lachen verkneifen. Ich saß die ganze Zeit nur da und sah dem Spektakel zu. Als das dann fertig war wurde ich wieder auf die Zelle gebracht.
Später brachte man mich dann zum Bataillonskommandeur, damit dieser mich vernehmen konnte. Dieser war ein Oberstleutnant und der ranghöchste in der ganzen Kaserne, mein Fall wurde an ihn übergeben, weil meine normalen Vorgesetzten nicht mehr genügend „Macht“ hatten, um mich zu disziplinieren. Vom Wesen her war der Kommandeur vermutlich einer der freundlichsten Soldaten, die ich in der ganzen Kaserne getroffen habe. Er sprach mit mir ziemlich locker und meinte, er würde mich verstehen, nachdem ich ihm all mein Handeln erklärt hatte. Er sagte aber auch dazu, dass er die Konsequenz, die ich aus meiner Einstellung zog, nicht gut fand und nicht verstand, wieso ich so handelte, wie ich es tat. Ihm wäre es wohl auch lieber gewesen, wenn es anders gelaufen wäre, aber er hatte nach den Vorschriften zu handeln und gab mir dann bekannt, dass er weitere 18 Tage Arrest beim TDG beantragen würde. Noch am selben Tag wurde ich über die Bewilligung des Disziplinararrests informiert.
Als ob es an diesem Tag nicht schon gereicht hätte, gab es ein weiteres „Highlight“. Beim Abendbrot saßen ein paar normale Soldaten um die Wachen und mich herum. Einer von ihnen fing ein Gespräch mit mir an. Er fragte mich, was ich getan hatte und wollte meine Motivation wissen. Ich klärte ihn über meine Einstellung auf, mittlerweile war das für mich fast schon Routine. Dieser Soldat aber war anders, als die meisten, er war viel extremer. Zuerst fragte er mich, wie es denn ohne Soldaten möglich sein sollte, Muslime daran zu hindern, in die Moschee zu gehen. Das hat mich fast umgehauen, ich hielt es zuerst für einen Scherz und sagte ihm, mir wäre es egal, wenn jemand in irgendeine Kirche gehe. Er meinte aber, er wolle nicht, dass Muslime in eine Moschee gehen. Ich fragte ihn, wieso er das nicht wolle. Als Antwort kam, dass er es einfach nicht wolle, ohne Begründung, die Muslime müssten daran gehindert werden in die Moschee zu gehen, einfach so. Er erklärte mir dann auch, dass Krieg gut sei. Es würde allen helfen. Die Wirtschaft würde danach aufblühen, es gäbe danach weniger Menschen und man könne wieder ein schöneres Leben als vor dem Krieg leben. Mir wurde fast schlecht von dem, was er sagte. Ich schwieg dann bis ich gegessen hatte, denn ich hatte dazu einfach nichts mehr zu sagen. Ich war dann nur noch froh von diesem Menschen weg zu kommen und endlich wieder in die Zelle gesperrt zu werden, wo mir niemand so einen kranken Schwachsinn an den Kopf schmiss.

(17.07.2007, Di)
Auf diesen Tag hatte ich mich schon die ganze Zeit gefreut, denn es sollte meine Beschwerde gegen die Verhängung des ersten Arrests verhandelt werden. Dies war etwas ziemlich Besonderes, da meines Wissens noch nie schon bei der ersten Beschwerde eines Totalverweigerers und dann auch noch wegen einem Arrest von nur 7 Tagen eine Verhandlung stattgefunden hatte. Normalerweise wurden solche Beschwerden sofort abgelehnt. Natürlich war mir klar, dass auch bei der Verhandlung eine Zurückweisung herauskommen würde. Nichts desto trotz war es eine durchaus interessante Begebenheit.
Ich wurde etwa eineinhalb Stunden vor der Verhandlung aus dem Arrest geholt, denn wir mussten nach Erfurt, wo sich die 7. Kammer des Truppendienstgerichts befindet. Mein Kompaniechef war als Zeuge geladen und kam deswegen auch mit. Außer ihm war nur noch ein Soldat als Fahrer dabei, der den Kleinbus steuerte.
Am TDG angekommen ging der Kompaniechef mit mir ins Gebäude, der Fahrer blieb die ganze Zeit im Fahrzeug. Der Richter war ziemlich freundlich. Er hatte sich wohl ausführlich mit dem Fall beschäftigt und erklärte mir, dass es etwas besonderes sei, dass ich geladen wurde und dass meine Beschwerde verhandelt würde. Er wollte mir eine Art Chance geben, mich zu erklären. Ich hab dann während der Verhandlung den Fall aus meiner Sicht dargestellt und meine Position auf das Genaueste dargelegt. Wirklich viel hat das natürlich nicht gebracht. Der Richter erklärte, dass er mich verstehen würde, aber da aus juristischer Sicht nicht viel zu machen sei. Er versuchte dann, mir einen KDV-Antrag aufzuschwatzen. Ich sollte diesen Antrag stellen, da sich das auf die Arrestzeit positiv auswirken könnte und meine Strafe bei einem späteren zivilrechtlichen Strafverfahren mildern könnte. Im Nachhinein erinnert mich das sehr an die Masche von Vertretern, die einem zwischen Tür und Angel irgendeinen Mist aufdrängen wollen. Dennoch war er ziemlich freundlich. Ich kann nicht wirklich sagen, ob er einfach nur versucht hat, mich loszuwerden, also das Militär von meiner Last zu entledigen, oder ob er es wirklich so freundlich gemeint hat, wie er getan hat. Vielleicht bekam er die Weisung, so zu handeln, von weiter oben. Das alles lässt sich leider nicht sagen. Ich hatte natürlich nicht im Geringsten vor einen KDV-Antrag zu stellen, was ich auch mehrfach klarstellte. Schlussendlich wurde nach kurzer Beratung (es gab noch zwei ehrenamtliche Richter, eine Art Schöffen, beides Soldaten) das Urteil gesprochen, meine Beschwerde zurückgewiesen. So ging es dann zurück zur Kaserne und ich „durfte“ wieder in meine Zelle zurück.
Dann ging der Spaß erst richtig los. Als ich fragte, ob ich telefonieren dürfte, wurde mir das verweigert. Während ich in der ersten Woche noch täglich ein paar Minuten lang telefonieren durfte, war das jetzt komplett verboten.
Wie jeden Tag durfte ich dann Abends duschen. Doch als ich die Tür zum Waschraum schließen wollte, stellte sich der beaufsichtigende Soldat in die Tür und sagte in ziemlich unfreundlichem Ton: „Die bleibt offen!“ Ich fragte nach, wieso das so sei und sagte auch, dass ich die Tür bisher immer schließen durfte. Der Soldat meinte, er müsse mich beaufsichtigen und die Tür bleibe ab jetzt beim Duschen offen. Ich packte meine Duschsachen wieder und sagte, dass nicht duschen würde. Ich wurde wieder in meine Zelle gebracht. Kurze Zeit später kam der OvWa in meine Zelle, mit einem Heft in der Hand, und zeigte mir eine Vorschrift, in der stand, dass Arrestanten beim Duschen von einer Aufsichtsperson begleitet werden müssten. Ich erklärte ihm, dass es bisher auch gereicht habe, wenn die Aufsichtsperson vor der Tür wartete. Das half natürlich nichts. Er weigerte sich, ich weigerte mich, schließlich wurde ich wieder in der Zelle eingesperrt und hatte meine Ruhe.

(18.07.2007, Mi)
Da ich ja nun nicht mehr telefonieren durfte, fragte ich gleich Morgens nach, ob ich denn Briefe schreiben und abschicken dürfe. Ich habe an diesem Tag immer wieder nachgefragt, doch jedes mal hieß es, dass man es noch nicht genau wisse, mir aber bescheid sage, sobald es geklärt sei.
Abends durfte ich die Tür beim Duschen wieder nicht schließen. Ich weigerte mich nicht mehr, sondern gab auf und ging bei offener Tür duschen. Dabei standen ganze drei Soldaten vor der Tür und schauten zu.

(19.07.2007, Do)
Ein paar Stunden nach dem Frühstück wurde ich aus der Zelle geholt und zum Rechnungsführer gebracht, der wollte meine Bankdaten haben. Ich entschied mich schon damals dazu, im Falle der Auszahlung eines Wehrsolds an mich, das ganze Geld entweder zurück zu überweisen oder es zu spenden.
Etwas später wurde mir dann endlich mitgeteilt, dass ich Briefe schreiben und verschicken dürfe. Geduscht wurde wieder mit offener Tür.

(20.07.2007, Fr)
Ich durfte endlich wieder mit meiner Familie telefonieren. Jedoch nicht mit meinem eigenen Handy. Ich wurde von zwei Soldaten dafür extra ins Stabs-Gebäude gebracht und in ein Büro geführt, wo ich dann ein Telefon benutzen durfte, um etwa 15 Minuten lang mit meinen Eltern zu telefonieren. Richtig lustig wurde es dann beim Freigang. Während dem Mittagessen hatte wohl ein Mann für mich bei der Wache angerufen. Die Soldaten hatten seine Nummer aufgeschrieben und ich durfte ihn dann während des Freigangs anrufen. Dazu wurde ich in ein Zimmer irgendeines Gebäudes gebracht. Die Soldaten blieben im Zimmer, aber angeblich durfte ich so lange telefonieren, wie ich Freigang hatte (an anderen Tagen handelten die Soldaten natürlich wieder ganz anders, das war also einmalig).
Später bekam ich dann eine aktuelle BILD-Zeitung zum lesen auf die Zelle und durfte dann endlich wieder mit geschlossener Tür duschen. Ab diesem Tag durfte ich dann immer mit geschlossener oder angelehnter Tür duschen. Nur einmal hat ein Wachhabender Stress gemacht, kurz danach aber nachgegeben.

(21.07.2007, Sa)
Wie schon am Samstag zuvor hörte ich öfters als sonst Schritte vor der Tür, was auf Beobachtung hindeutet. Wieso das so war, kann ich mir immer noch nicht erklären. Ansonsten gab es an diesem Tag nichts Besonderes.

(22.07.2007, So)
An diesem Tag notierte ich, dass ich fand, die Wachmannschaften würden immer freundlicher werden. Im Nachhinein muss ich das korrigieren. Es sah an diesem Tag zwar so aus, später schwankte es aber wieder heftig, was die Freundlichkeit angeht. Wie am Sonntag zuvor erhielt ich wieder keinen Freigang.

(23.07.2007, Mo)
Äußerst amüsant fand ich, dass die Wachtrupps wohl mittlerweile darauf aufmerksam gemacht wurden, dass auch die Glastür, die Wachbereich und Arrestbereich trennte, abgeschlossen werden musste. Völlig sinnlos, aber wen kümmert das schon...
Ich bekam dann später Besuch von einem Pfarrer aus Bad Frankenhausen. Die Kampagne hatte über einen Bekannten Kontakt zu ihm hergestellt und ihn gebeten mich zu besuchen. Für Geistliche war es wohl recht einfach auch außerhalb der Besuchszeiten in die Kaserne zu kommen. Wir hatten etwa eine halbe Stunde zum reden. Nach dem Gespräch traf ich auch die Standortpfarrerin der Kaserne. Sie bot mir auch an, mit ihr zu reden.
Mir wurde vom für die Post zuständigen Oberleutnant gesagt, dass Briefe nicht selbst frankiert werden müssten, sondern auf der Poststelle frankiert würden. Ich benutzte trotzdem weiterhin meine eigenen Briefmarken.
Komischerweise wurde ich nicht zum Freigang geholt, den ganzen Tag nicht. Ich beschwerte mich nicht, da es mir lieber war in der Zelle zu bleiben, als irgendwie mit den Soldaten Kontakt haben zu müssen.

(24.07.2007, Di)
Ich bekam mal wieder hohen Besuch in der Zelle. Diesmal war es der Kasernenkommandant im Range eines Oberstleutnants. Er wollte klarstellen, dass mir nicht verboten würde, mit meiner Familie zu telefonieren und das auf Antrag meinerseits kein Problem wäre. Er schien ziemlich besorgt darüber, dass verbreitet würde, dass mir zuerst verboten wurde überhaupt zu telefonieren. Zu meiner Totalverweigerung an sich sagte er, dass er gar nicht erst versuchen würde, mich zu überreden, da das sicher schon genügend andere Leute getan hätten. Auch an diesem Tag gab es mal wieder keinen Freigang.

(25.07.2007, Mi)
Ich „durfte“ mal wieder meine Zelle und den Baderaum (diesmal nicht den ganzen Arrestbereich) putzen. Ich bekam wieder Besuch vom Kasernenkomandanten. Dieser teilte mir mit, dass mich Herr Geffe, der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, besuchen würde.

(26.07.2007, Do)
Mir wurde mitgeteilt, dass meine Wäsche gewaschen werden könne. Es gab da ein ziemliches Hin und Her wegen der Sache. Ein Soldat sagte mir, es wäre möglich, der nächste sagte wieder, es ginge nicht. Irgendwann konnte ich dann meine Schmutzwäsche wegbringen lassen.
Später musste ich dann wieder den Boden putzen, Aussage des OvWa: „Damit Sie beschäftigt sind.“
Vor dem Mittagessen kam dann das Treffen zwischen Herrn Geffe und mir zustande. Wir durften uns eine ganze Stunde lang unterhalten. Danach durfte ich 15 Minuten lang nach Hause telefonieren. Als ich später in die Zelle zurückgeführt wurde, wurden mir die zwei Zeitungen und eine Pressemeldung abgenommen, die Herr Geffe mir gegeben hatte. Ich bekam sie erst später wieder, nachdem festgestellt worden war, dass so was erlaubt ist. Nachmittags wurde meine Zelle dann vom Wachhabenden komplett untersucht. Er schaute sich das Bettzeug an, ich musste jedes meiner Bücher durchblättern (er fasste nichts selber an) und musste mich selbst abtasten. Aus meiner Sicht gab es dazu überhaupt keinen Anlass, ich bekam auch überhaupt keine Begründung zu hören.
Irgendwann wurde ich dann aus der Zelle geholt und in ein Büro gebracht, wo zwei Soldaten waren. Ich sollte auf den Anruf eines Herrn warten, der mit mir sprechen wollte. Der Anruf kam und ich unterhielt mich eine ganze Weile. Es war wieder der Herr, der früher schon mal unter dem Vorwand mein Onkel zu sein angerufen hatte. Ich werde hier nicht genau erklären, wie er es geschafft hatte, dass er mich anrufen durfte. Ich kann nur eins sagen, die Soldaten haben nicht wirklich gewusst, worauf sie sich eingelassen hatten. Während dem Telefonat gab es einen kleinen Tumult. Es wurde ein Soldat ins Gebäude getragen, der bei einem Marsch einen Kreislaufzusammenbruch erlitten hatte. Als ich sein von Elend zerfressenes, von Schweiß triefendes Gesicht und seinen schlaffen Körper gesehen habe ist mir wirklich fast schlecht geworden. Aber ja, Zusammenbrechen gehört wohl zu den Tugenden, die einem bei der Bundeswehr beigebracht werden. Der Soldat wurde dann mit einem Krankenwagen abtransportiert.
Freigang gab es mal wieder nicht.

(27.07.2007, Fr)
Es gab endlich mal wieder Freigang, ansonsten war der Tag ereignislos.

(28.07.2007, Sa)
Ich bekam Besuch von meinen Eltern, wir hatten ganze zwei Stunden Zeit. Sie teilten mir unter anderem mit, dass meine Zulassung für die Universität Karlsruhe angekommen sei (ich hatte die Bewerbung zwei Tage nach meinem Einberufungstermin noch abgeschickt). Die Einschreibungsfrist war ziemlich kurz, deswegen haben wir damit gerechnet, dass meine Eltern die Einschreibung abschicken hätten müssen. Dazu war unter anderem eine Beglaubigte Kopie meines Personalausweises nötig. Die Wachleute haben sich zwar zuerst geweigert, dann durfte ich den Ausweis aber meinen Eltern mitgeben (Die Soldaten wussten natürlich nichts von meiner Zulassung, geschweige denn wofür meine Eltern den Ausweis brauchten). Da ich später früher als geplant freigelassen wurde, konnte ich meine Einschreibung sogar selbst abschicken.
An diesem Tag hat mir der Wachhabende zuerst verboten die Tür beim Duschen zu schließen. Ich beschwerte mich zuerst, zog mich dann aber aus und stellte mich in die Dusche. Der Soldat stieß dann einen Seufzer aus und meinte: „Lehnen Sie die Tür an.“ (Er hatte die ganze Zeit sowieso versucht möglichst nicht in meine Richtung zu schauen.)

(29.07.2007, So)
Keine besonderes Ereignisse.

(30.07.2007, Mo)
Mal wieder gab es keinen Ausgang. Auf Anfrage hieß es: „Wurde uns von ganz oben so vorgegeben.“ Zu meinem Erstaunen erhielt ich dann später doch Freigang.

(31.07.2007, Di)
An diesem Tag wurde ich zur Standortpfarrerin gebracht und hatte mit ihr ein einstündiges Gespräch. Es hat mich wirklich erstaunt, wie extrem sie hinter der Bundeswehr stand. Sie warf mir sogar Argumente an den Kopf, die selbst Wehrpflicht befürwortende Politiker und Militärs schon längst aufgegeben hatten. Sie behauptete zum Beispiel, die Bundeswehr sei für die Landesverteidigung nötig, wo doch die NATO längst bestätigt hat, dass ein Angriff auf NATO Gebiete in absehbare Zeit nicht zu erwarten ist. Auch im Weißbuch, das vom Verteidigungsministerium herausgebracht wird, hat man sich längst vom Verteidigungsgrundsatz auf eigenem Boden entfernt. Wie wir mittlerweile alle wissen sollten, wird unser Land ja auch am Hindukusch verteidigt. Doch das alles schien der Seelsorgerin egal. Es hat mich wirklich erschreckt, wie desinformiert sie war. Ihr Informationsstand entsprach aus meiner Sicht etwa dem von vor etwa 10 Jahren. Mich hat es auch gewundert, wie sie das überhaupt mit ihrer christlichen Religion verbinden konnte, das fand ich (als Atheist) völlig unverständlich. Immerhin war sie recht freundlich.
Später kam dann endlich meine frisch gewaschene Wäsche zurück.

(01.08.2007, Mi)
Nichts Besonderes zu berichten.

(02.08.2007, Do)
Nach meinem zweiten Arrest wurde ich diesmal recht früh entlassen. Um 12:30 wurde ich für eine Untersuchung zum Arzt gebracht (dieses mal in der eigenen Kaserne). Der Arzt war relativ jung und hat ziemlich unfreundlich und arrogant gewirkt. Er fragte mich über mein Verhalten aus und versuchte mir Angst zu machen, indem er meinte, ich hätte schon jetzt eine Vorstrafe in meinem Führungszeugnis stehen. Ich sagte ihm auch, dass ich Informatik studieren wolle. Seine Antwort war sinngemäß: „Tja, Sie wissen ja, dass Sie das jetzt vergessen können, oder? In Deutschland werden Sie nicht mehr studieren können. Ich weiß das, ich hab ja schließlich selbst studiert!“ Ab da habe ich einfach nur noch geschwiegen, so viel Schwachsinn, das war wirklich genug.
Anschließend wurde ich zum Bataillonskommandeur gebracht. Dieser verfügte erst einmal eine Kommandierung. Das heißt, ich wurde von der 5. Rekrutenkompanie, bei der ich Rekrut war, in die 6. versetzt. „Meine eigene“ Kompanie war auf einem zweiwöchigen Ausflug in irgendeiner Kaserne, wo Schießübungen durchgeführt wurden. Danach gab er mir den Befehl, mich zu meinem neuen Kompaniechef zu begeben, mich der Einstellungsuntersuchung zu unterziehen und meine Uniform anzulegen. Ich verweigerte natürlich, diesen Befehl auszuführen. Er ging das recht ruhig an, gab mir den Befehl nochmal. Offensichtlich hatte man mit dem ganzen Ablauf schon gerechnet. Ich wurde mal wieder vorläufig festgenommen.
Später gab es dann die übliche Vernehmung und mir wurde mitgeteilt, dass 21 Tage Disziplinararrest beim TDG beantragt werden würden. Ich kam dann erst mal in meine Zelle zurück. Dort stellte ich mich moralisch und geistlich schon mal auf die nächsten drei Wochen in der Kaserne ein.
Ein paar Stunden danach wurde ich wieder zum Kommandeur gebracht. In seinem Büro war nun nicht mehr nur er selbst und sein Assistent, sondern auch ein anderer Soldat, den ich bisher nicht gesehen hatte. Ich hatte keine Ahnung, wer das war und wieso er da war, aber ich lies erst mal alles auf mich zukommen. Nachdem alle sich gesetzt hatten, fing der Kommandeur an, mir zu erklären, dass eine Antwort vom TDG eingetroffen sei. Er sagte dann in etwa: „Das Truppendienstgericht hat dem Antrag auf 21 Tage Disziplinararrest nicht zugestimmt.“ Ich saß so ruhig wie möglich da und meinte: „Okay.“ Der Kommandeur wiederum: „Sie haben schon verstanden, oder? Der Antrag wurde abgelehnt, es wird also keinen weiteren Arrest mehr geben.“ Ich saß immer noch ruhig da und sagte: „Ja, ich hab schon verstanden.“ Innerlich ist in mir natürlich ein Vulkan ausgebrochen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich in diesem Moment war. Ein unglaubliches Gefühl. Ich weiß nicht, was großartiger war, die Nachricht von meiner Zulassung für das Informatikstudium an der Uni Karlsruhe, oder diese Nachricht. Jedenfalls waren beide Nachrichten großartig. Der Kommandeur erklärte mir dann, dass nun alle Disziplinierungsmaßnahmen ausgeschöpft seien und ihm nichts anderes übrig bleiben würde, als einen Antrag auf meine Entlassung aus der Bundeswehr zu stellen (noch in der ersten Woche wurde mir gesagt, dass am Ende höchstens ein Dienstverbot beantragt würde). Es stellte sich heraus, dass der unbekannte Soldat mein neuer Kompaniechef war. Dieser musste aus Formalitätsgründen zuerst meine Entlassung beantragen, die dann vom Kommandeur unterschrieben wurde. Der Entlassungsantrag wurde dann an die 13. Panzergrenadierdivision übergeben, die über meine Entlassung zu entscheiden hatte. Dies alles geschah etwas gegen 19:00 Uhr. Ich wurde vorerst auf meine Zelle zurückgebracht. Dort duschte ich und wartete auf weitere Nachricht. Ich habe mich selten in meinem Leben glücklicher gefühlt, wenn überhaupt. Alles lief über Erwartung.
Später kam dann der Kommandeur und teilte mir offiziell meine Entlassung aus der Bundeswehr mit. Ich wurde diesmal zu einer Ärztin gebracht, die die Entlassungsuntersuchung durchführen sollte. Auch die Ärztin versuchte mir Angst zu machen, darauf ging ich von Anfang an nicht ein. In der Kaserne wusste niemand von meiner Zulassung. Während ich diesen Bericht schreibe, habe ich übrigens meinen Studentenausweis neben mir liegen. Den habe ich vor ein paar Tagen bekommen, nachdem die Immatrikulation erfolgreich abgeschlossen war.
Nach der Untersuchung wurde ich dann in den Wachbereich begleitet, dort holte ich alle meine Sachen und wurde schließlich zum Kasernentor gebracht, das hinter mir geschlossen wurde. Nach 24:00 Uhr diesen Tages war ich offiziell kein Soldat mehr. Ich wurde dann gegen 22:00 Uhr von Herrn Geffe abgeholt und fuhr mit ihm zu seiner Wohnung in Jena, wo ich die Nacht verbringen durfte (vielen Dank nochmal!). Am nächsten Tag ging es dann per Zug heimwärts.

Muslime und "Krieg ist gut"

Der Soldat der das über die Muslime und den Krieg desagt haben soll ist ja wirklich der Hammer. Wobei ich schon glaube das so extreme Dumpfbacken in der BW schon verhältnismäßig selten sind. Die BW ist halt auch nur ein Spiegel der Gesellschaft. ;-) War das ein Wehrpflichtiger oder ein Zeit- oder Berufssoldat? Welchen Dienstgrad hatte er?

mfg Otmar Ganter

Mir ist schon klar, dass es

Mir ist schon klar, dass es solche Leute selten gibt und das nicht unbedingt etwas mit der Bundeswehr zutun hat. Das hab ich auch gar nicht behauptet. Ich finde solche Äußerungen an sich einfach nur krass, egal wo sie herkommen.
Ich würde bei dem Soldaten auf Zeitsoldat tippen, was ich aber natürlich nicht genau sagen kann. Der Dienstrang war vermutlich Ober- oder Hauptgefreiter, da die höherrangigen Soldaten in einem anderen Flügel der Küche gegessen haben.

:-)

Hallo Otmar,
das ist gaaanz gewöhnlich in solch einem Verfahren...sie fahren mit dem "Delinquenten" hin und her...der Schwachsinn gehört zur Zermürbungstaktik und ein paar Oberdumme machen dabei immer mit. Die können nichts anderes als funktionieren...sie sehen aus wie Menschen, sind aber keine mehr!!! Sie sind Zahnräder (Der "Dienst" hat keinen Grad, nur ein schlecht geschmiertes Rad! :-)) in einem Getriebe, das Gottseidank schon extrem viel Rost und Staubpartikelchen bzw. Sandkörner gesammelt hat, um sehr bald für immer den (nicht vorhandenen!) Geist aufzugeben!

Neuland

Es war schon immer so, dass die Bundeswehr deshalb Wehrpflichtige eingezogen hat, damit der Intelligenzquotient der Truppe steigt. Es gibt aber auch viele Zeit- und Berufssoldaten mit einer guten Schulbildung und einem guten Karakter.
Viele davon könnten im zivilen Leben (ohne BW) nicht existieren. Sie haben die größten Probleme damit, wenn sie nach 4, 8 oder 12 Jahren aus der BW entlassen werden. Genau diese Soldaten können es auch nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die nicht zur BW wollen, die man zu dieser "Guten BW" sogar zwingen muss.
In meiner ersten (unfreiwilligen) Reserveübung wurde ich zum Unteroffizier der Reserve gemacht. Manche Zeitsoldaten boten mir an, dass ich sie jetzt, nur wärend der Übung mit Du anreden dürfte. Ich habe dankend abgelehnt. Ja, der Mensch beim Bund beginnt halt erst mit Unteroffizier oder mehr. Lächerlich oder.
Warum geht eine Pfarrin zur Bundeswehr? Wahrscheinlich, weil man da bequem sein Geld vom BMVG bekommt und Sonntags frei hat. Oder?
Wache war immer ein Scheiss-Dienst. Auf diesen Ehren-Dienst hätten wir gerne verzichtet. Da war man selbst immer mit einem Bein im Gefängniss. Außer den Streifendiensten durfte man das Wachlokal nur zur Kantine verlassen, ansonsten durfte man das Wachlokal nicht verlassen.
Wir hatten 2 Mal Soldaten mit Arrest. Aber diese Jungs haben wir immer ganz normal und mit Respekt behandelt. Ich war Soldat in der Eichelbergkaserne in Bruchsal/Baden. Ich glaube nicht, dass normale Wehrpflichtige etwas gegen Leute wie Alexander haben, eher noch Verständniss.
Es gehört scheinbar zur Greiner`schen Art, Wehrpflichtige zu Truppenteilen einzuziehen, wo sie überhaupt nichts mit ihren Fähigkeiten anfangen können. Wie das Beispiel Alexander. Er wäre mit Sicherheit Panzergrenadier oder Ähnliches geworden. Schon bei der Einberufúng wird festgelegt, wie gut oder schlecht es ein Soldat während seiner 9 Monate hat. wie heimatfern er eingesetzt wird. Alles gang gerecht und ohne Willkür. Ha, ha, ha...

Scheinbar besteht kein Fachkräftemangel an Informatikern, so dass man solche Fachkräfte von morgen fast ein Jahr auf dem Feld der Ehre herumrobben lassen kann.

Danke Alexander, dass Du nicht umgefallen bist. Und herzlichen Glückwunsch zur Einschreibung an der Uni Karlsruhe.
Wo.Ja.

Du hast echt keinen Plan

Also U.d.R. wird man nicht unfreiwillig? oder warst besoffen beim Mob- Gespräch? Ich bin Ofw bei der Gebirgstruppe. Das schon länger. Ich war im Kosovo und Afgahnistan. Habe in Dresden und Bayern gegen Hochwasser gekämpft und im winter 05 Schnee von Dächer geschaufelt. Ich habe zwei Berufsabschlüsse Abitur und werde nach der Bundeswehr Wirtschaft studieren. Glaube nicht das ich im Zivilleben versagen würde, außerdem war die Dinge sehr prägend und gerade Afg. sehr lehrreich. Aber solche Typen wie dich kenne ich zu Haufen. Wenn man keine Ahnung hat einfach mal Fresse halten...

Dem Ausdrucks- und

Dem Ausdrucks- und Rechtschreibvermögen nach ein weiterer heisser Kandidat für Hartz IV.

Wunder(t) Dich(Euch) nicht...:-)

Das was Du schilderst ist der relativ normale Wahnsinn nach dem dieser verfluchte Dreckstaatsapperat versucht zu funktionieren. Typisch ist dieses hinundher von Anordnungen, die einmal abgelehnt, dann wieder befürwortet, dann wieder abgelehnt usw. werden. Zermürbungstaktik nennt sich das...das hierbei auch die "Kirche" mitmacht ist ganz selbstverständlich (schließlich wurde der Krieg schon früher "heilig" gesprochen!). Die glauben immer noch sie könnten Menschen zu falschem Gehorsam (v)erziehen, dabei achten sie "ihr eigenes Gesetzbuch" nicht wirklich, jedenfalls haben sie anscheinend den Anfang davon vergessen bzw. bis heute noch nicht richtig verstanden.
Es ist wie mit dem Lied von den Blumen, den Mädchen, den Männern, dem Krieg, den Soldaten und ihrem Ende, welches mit den wunderbaren Zeilen schließt: "...Sag mir, wo die Gräber sind, wo sind sie geblieben? Sag mir, wo die Gräber sind, was ist gescheh´n? Sag mir, wo die Gräber sind, BLUMEN WEHN IM SOMMERWIND. Wann wird man je versteh´n, wann wird man je versteh´n?"

Wer war der angebliche Onkel?

Danke für dieses Ereignisprotokoll. :-)

Ich frag mich aber, wer dieser angebliche Onkel war, was er wollte und woher er wusste, dass du da jetzt inhaftiert bist.

Mich trifft es diese Woche auch.

Moin moin, ich komme aus Friedrichshafen am Bodensee / Baden-Würrtemberg. Ich sollte heute in der Kaserne Chausse in Mecklenburg Vorpommern antreten.

Ich habe bei Gott alles versucht um eine totalverweigerung zu verhindern. Leider war ich wie auch du so dumm und bin damals vor 2 Jahre freiwillig zur Musterung erschienen und dachte damals genau so "scheiß drauf und zieh den mist durch" doch mittlerweile, 2 Jahre eben, habe ich mich genauer mit der Wehrpflicht ausseinander gestezt und bin zum selben entschluss wie du gekommen.

Ich werde die Totalverweigerung ebenfalls durchziehen. Mit allen konsequenzen über die ich mir 100% im klaren bin.

Ich finde es nur traurig das ich mich 21 Jahre an das Gesetzt gehalten habe und ich nun keinerlei Verständnis von irgendjemanden erhalten habe. Allerdings steht zumindest mein Vater und mein Arbeitgeber zu 100% Hinter mir. Der rest meiner Familie ist eher auf Abstand gegengen.

Ich bin der Meinung wir müssen endlich aktiv gegen diese Ungerechtigkeit vorgehen, nicht nur deshalb habe ich mich zur Totalverweigerung entschieden, koste es was es wolle, für mich steht die Freiheit im vordergrund.

Frieden mit Waffen zu sicher ist meines erachtens absoluter unsinn. Aber ich denke die restlichen Gründe wurdne schon zur genüge "durch gekaut".

Ich weiß nicht genau was mich erwarten wird obwohl ich viel gelesen habe und um ehrlich zu sein ist auch ein wenig Angst dabei. Aber ich werde mich nciht brechen lassen. Es geht nicht darum das ich aus der Sache fein raus bin. Es geht mir viel mehr darum diesen großen Menschrecht verachteten Unsinn ein ende zu bereiten. Und wenn ich, ich Zitiere Mutter Theresa, "Nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der aber irgendwan einmal fallen muss!" bin.

Freiheit kann ich auch an einem sehr schönen Zitat definiern das von Jean-Jacques Rousseau stammt: "Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern das er nicht tun muß, was er nicht will."

Und da wir gerade dabei sind will ich ganau das Verhindern was bereits Erich Kästner einmal sagte: "Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird." Lustiger weiße bin ich Killerspiele Spieler (der Begriff ist übrigends eine Diskrimminierung!) Und von seiten meines Clans kam die Idee einfach eine Page zu mir reinzustellen und ein Tagebuch nach dem ich den ganzen scheiß ausgestanden habe online zu stellen. Eigentlich wollte ich das nicht aber hier mal ein Link dazu: http://www.dieunterhosen.de/freedom/index.html

Ist sicherlich etwas vorgegrifen aber das wird wohl eintreffen...
Ich hoste gerne sobald ich wieder "Frei" bin ähnliche Projekte kostenfrei ohne Werbung! In dem Sinne man sieht sich wieder in Freiheit und macht alle weiter so und behaltet eure Einstellung.

Lasst euch nicht Unterkriegen.

MfG Matze.

Ist jedem seine Sache, ob er

Ist jedem seine Sache, ob er dienen will/kann oder nicht. Die email an's KWEA hat mich aber doch sehr geschockt. Wie kann man so herablassend sein? Kein Wunder, das die dann das volle Programm fahren. "Wie man in den Wald rein ruft..." hätteste dir mal zu Herzen nehmen sollen. *kopfschüttel*

Es ist eben...

nicht jedem selbst überlassen, ob er dienen will oder nicht. Genau das ist ja der Grund, wieso der Weg der Totalverweigerung gewählt wird...

Zivilstrafe

Hi
mich würde interessieren wie deine Zivile Strafe ausgesehen hat da ich jetzt dann auch eine Verhandlung wegen Eigenmächtiger Abwesenheit vor mir habe.
Danke Grüße Pat

Siehe

Siehe http://realsatire.net/node/101
Zu den 1350 Euro Strafe kommen noch etliche Gebühren für Gericht, völlig nutz- und ahnungslosen Pflichtverteidiger und was weiß ich nicht alles hinzu. Insgesamt muss ich knapp unter 2000 Euro an die Landesoberkasse Baden-Württemberg zahlen.

Voller Respekt!

Hallo,

ich wollte auch totalverweigern - "wollte" - aber als ich das laß bin ich zu dem Entschluss gekommen, doch Zivildienst zu machen - hab auf so einem Erlebnis, wie deinem, wirklich Angst. Da wird man einfach in einer "Zelle" eingesperrt, nur weil man gegen Krieg, das Handeln mit Waffen (usw). ist und eher für Frieden und menschenwürdiges Handeln (etc.) ist.

Wirklich, Hut ab was du da durchgezogen hast - sowas verdient meinen vollen Respekt. Ich selbst hätte nach einigen Tagen meinen Hut vorm Kopf geschmissen und mich halt gehen lassen. Was die mit dir gemacht haben ist menschenunwürdig - und sowas im "Ach so tollen Deutschland", wie es viele behaupten.

Meine Frage ist, was halt nach deinem Erlebnis passiert ist? Musstest du noch mal vor Gericht und wenn ja, wieviel Geld musstest du nachher zahlen? Wie stehen deine Freunde bzw. die Menschen zu dir, denen du gesagt hast, dass du totalverweigert hast?

Würde mich über Antworten ganz dolle freuen !! =)

gez. Roger

Antwort

Hallo Roger,

erst mal Entschuldigung für die späte Antwort. Wie man am Artikel sieht, steht er ziemlich weit hinten im Blog und ich schau nur selten nach neuen Kommentaren alter Artikel. Nun aber zu meiner Antwort:
Das meiste dazu steht in anderen Artikeln dieses Blogs, aber hier mal eine kurze Zusammenfassung.
Ich war zwei mal vor Gericht. Beim ersten Mal war ich alleine vor Gericht und wurde zu einer Jugenstrafe auf Bewährung verurteilt, mit der Bewährungsauflage 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu leisten. Die nette Staatsanwältin hat das für zu wenig befunden und deswegen Berufung eingelegt.
Bei der zweiten Verhandlung wurde mir ein vollkommen nutzloser Pflichtverteidiger zugeteilt und ich wurde zu 15 Tagessätzen a 90 Euro verurteilt. Würde ich die 100 Stunden des ersten Urteils in Arbeitszeit umrechnen, dann wären die Urteile wohl fast gleich hoch. Zu den 1350 Euro Strafe kamen noch jede Menge gebühren und anderes Zeug hinzu, sodass ich am Ende auf knapp 2000 Euro komme. (Der nutzlose Anwalt nimmt davon etwa 300 Euro ein. Würde mir sowas nochmal passieren, dann würde ich gegen einen Pflichtverteidiger protestieren!)
Freunde, Verwandte und Bekannte stehen meinem Tun größtenteils positiv gegenüber. Viele haben Respekt davor. Einige sind mit meiner Einstellung nicht einverstanden, finden es aber dennoch gut, dass ich für das kämpfe, wofür ich stehe. Es hat sich jedenfalls niemand von mir abgewendet, ganz im Gegenteil. Es gab natürlich auch negative Reaktionen, aber die beschränkten sich eigentlich auf Kommentare hier im Blog und 1-2 Anrufe von Fremden als Reaktion auf Zeitungsartikel.
Ich hoffe, dass Du diese Antwort noch liest und sie nicht umsonst ist ;-)

Gruß,
Alexander Hense

Die Bundeswehr? Ein Fehler

Hallo Alexander,

ich habe beim Lesen Deines Berichts mehrfach schmunzeln müssen, da ich mir sehr gut vorstellen konnte, wie sehr das Weltbild des einen oder anderen Bundeswehrangehörigen durch Aussagen von Dir aus den Angeln gehoben wurde. Ich kann es mir deshalb so gut vorstellen, weil ich selbst lange Zeitsoldat war. Ich bin Soldat geworden, weil ich in der Bundeswehr den einzigen Ausweg aus den schwierigen Verhältnissen meines familiären Umfelds sah, Anmerkung dazu, ich wurde über 10 Jahre lang von meinem Vater misshandelt. Doch selbst vor diesem Hintergrund musste ich zu dem Schluß kommen "Die Bundeswehr war ein Fehler" und ich neige nicht nur dazu junge Leute von der Bundeswehr abzuraten, ich gehe so weit zu sagen, dass man sie davor warnen muss. Von daher freut es mich aufrichtig, dass sich die Dinge so für Dich entwickelt haben, ich muss zugeben, dass ich von dieser Form der Entlassung noch nie etwas gehört hatte.
Mit Blick auf die möglichen strafrechtlichen Folgen denke ich aber auch, dass jemand mit einer Totalverweigerung ein sehr hohes Risiko eingeht, sich seine Zukunft vollständig zu verbauen.

Alles Gute fürs Studium!

Strafrechtliche Folgen

Die strafrechtlichen Folgen sind das, womit viele meiner Gegner - vor allem in der Kaserne - dauernd argumentiert haben. Man muss jedoch sehen, dass diese praktisch nichtig sind. Zum Beispiel steht meine Verurteilung erst gar nicht in meinem Führungszeugnis. Und selbst bei einem etwas höheren Urteil (dann würde es drinstehen) würde dieser Eintrag nach drei Jahren gelöscht werden. Und sogar bei einer Bewährungsstrafe über sechs Monaten (bis zu einem gewissen Maß) wird der Eintrag auch schon nach fünf Jahren gelöscht.
Wenn man nicht gerade bei EADS anheuern will dürfte man mit einer Totalverweigerung recht wenige Probleme im Beruf haben. Mein damaliger Arbeitgeber (ich war dort Aushilfe im technischen E-Mail Support) hatte damit überhaupt kein Problem. Ich habe sogar das eine oder andere Job-Angebot von Unbekannten bekommen, die von mir gelesen hatten. So viel also zu dem Thema.
Ansonsten bedanke ich mich für Deinen Beitrag aus der Sicht eines Ex-Soldaten. Es tut immer wieder gut zu sehen, wenn ein Mensch zur Besinnung kommt - auch wenn das leider nur sehr selten passiert.

Mal so gesagt : Jeden das

Mal so gesagt : Jeden das sein!!

Nur weil du zu blöde oder

Nur weil du zu blöde oder zu faul warst einen kdv zu schreiben!!!!!!!!!!!!!!!!!