Datensicherheit bei der Bundeswehr
Was sich momentan in diesem Land abspielt ist unfassbar.
Offensichtlich hat die Bundeswehr Einsatzdaten und viele andere Dokumente, die zentral gespeichert waren, verloren. Dabei handelt es sich um Daten zwischen 1999 und 2003. Das Verteidigungsministerium behauptet, es habe Ende 2004 ein Problem mit dem Datensicherungsroboter im Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr gegeben. Dieser wurde kurze Zeit später mit einem Ersatzgerät ausgetauscht. Es seien jedoch große Mengen an Daten aus den Jahren 1999 bis 2003 verloren gegangen. Da man mit den Bandspeichern angeblich nichts mehr anfangen konnte, wurden sie Mitte 2005 vernichtet.
Nun gibt diese offizielle Version eine Menge Ansätze für verschiedenartige Spekulationen. Zwangsläufig tauchen einige Fragen auf, wenn man ein technisch versierter Mensch ist oder zumindest schon mal etwas von Datensicherungen gehört hat:
1.) Wieso gab es nur eine einzige Sicherung?
2.) Warum wurde nicht versucht die Daten zu retten? (Experten können heutzutage selbst Datenträger mit massiven Fehlern zu nahezu 99% wiederherstellen.)
3.) Warum wurde diese "Panne" so lange verschwiegen?
4.) Hatten diese Daten vielleicht teilweise mit dem 11. September 2001 zutun? (Schließlich handelt es sich um Daten von 2 Jahren davor und danach.)
Aufgeflogen ist das Ganze dadurch, dass der Anwalt von Murat Kurnaz nach für den Fall Kurnaz wichtigen Daten gefragt hatte, worauf dann mitgelteilt wurde, dass diese Daten nicht mehr existieren. Doch nicht nur für diesen sehr brisanten Fall, welcher der Bundeswehr massive Schwierigkeiten bringen könnte, wären die verlorenen Daten wichtig gewesen. Es gibt auch den Verdacht, dass in den Jahren 2000 und 2001 deutsche Offiziere an Vernehmungen in US Geheimgefangenenlagern beteiligt waren - was gegen verschiedene Gesetze verstoßen würde. Mithilfe der verloren gegangen Dokumente wäre es vermutlich möglich gewesen, herauszufinden, was an diesen Vorwürfen dran ist und wer davon gewusst hat.
Diese Sache scheint sich so langsam zu einer großen Staatsaffäre auszuweiten. Die SPD wird dabei wohl der größte Leidtragende sein, da diese Panne sich noch zur rot-grünen Regierungszeit ereignet hat. Im Moment kommen Vorwürfe vor allem aus der Opposition, aber auch von Datenschutzbeauftragten und anderen Datenschutzexperten.
Ich bin mir sicher, dass wir noch einiges zu diesem Thema in Zukunft noch einiges hören werden und hoffe, dass der angebliche Verlust dieser Daten aufgeklärt wird.
Für die, die mehr lesen wollen, hab ich hier ein paar Artikel aus dem Spiegel Online:
Bundeswehr vernichtete Geheimberichte über Auslandseinsätze - Kurnaz-Anwalt besorgt
Experten bezweifeln versehentliche Datenlöschung
Spott für die Lösch-Truppe
Bundesregierung soll Datenpanne im Verteidigungsausschuss erklären